Wie kann Erinnerung lebendig bleiben, wenn die letzten Zeitzeug*innen des Holocaust immer weniger werden? Mit dieser Frage setzte sich unser Q1-Projektkurs intensiv auseinander, indem zur Geschichte des Holocaust aus Täter- und Opferperspektive historisches Vorwissen über die nationalsozialistischen Verbrechen und deren Folgen erarbeitet wurde. Das Zentrum der Vorbereitung bildete die Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau, die durch die Organisation GEEZ (Gemeinsam Erinnern für eine Europäische Zukunft) und den Lions Club Siegburg großzügig gefördert wurde. Die Forschungsergebnisse wurden in Plakaten dokumentiert, die bis zum 18. Juli 2026 im Siegburger Stadtmuseum zu sehen sind.
Die Jugendlichen appellieren mit ihrer seit fünf Jahren stattfindenden Ausstellung an unsere Gesellschaft, dass Erinnerungskultur unverzichtbar bleibt. Darauf wiesen in ihren Eröffnungsreden auch die stellvertretende Leiterin des Stadtmuseums Siegburg Stefanie Kemp, der Schulleiter Jochen Schütz, der Projektkursleiter Stefan Wahl sowie Wolfgang Potthoff (GEEZ) und die Projektkursschüler Kai Wiedemann Florian Sedija hin. Der Präsident des Lions Club Siegburg, Helmut Meis, sowie Erich Klemme, der zum fünften Mal bei der Ausstellungseröffnung für den Lions Club Siegburg vor Ort war, erklärten, dass es ihnen besonders am Herzen läge, immer wieder neue Projekte zu unterstützen, die der Förderung von Völkerverständigung, der Toleranz und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen.
Der Besuch der ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager sowie der historischen Orte in Krakau ermöglichte den Jugendlichen eine unmittelbare Begegnung mit den Schauplätzen der Geschichte und hinterließ bleibende Eindrücke.
Von besonderer Bedeutung war das Gespräch mit der Holocaust-Überlebenden Bronislawa („Niusia“) Horowitz-Karakulska. Als Angehörige der sogenannten Schindler-Juden berichtete sie den Schüler*innen von ihrer Deportation ins Krakauer Ghetto, von der Übersiedlung in das Gefangenenlager Plaszow und ihrer Deportation ins KZ Auschwitz sowie der Rettung durch Oskar Schindler, der sie zur Arbeit in seiner Metall-Fabrik in Brünnlitz aussuchte und so ihr Leben rettete. Ihre bewegenden Schilderungen hielt Florian Sejdija im Plakat fest. Er zeigt auf, dass hinter den historischen Zahlen und Fakten individuelle Schicksale stehen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.
Das Schicksal der Frauen in Auschwitz beleuchtete Sarah Rittmeier. Insbesondere Frauen mit kleinen Kindern in Auschwitz hätten kaum Überlebenschancen gehabt, weil sie bereits kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Als arbeitsfähig eingestufte Frauen wurden ihrer Identität, Würde und Privatheit beraubt: „Von nun an waren wir nur noch Nummern“ so zitiert sie die Überlebende Olga Lengyel.
Khaled Abdel-Fattah setzte mit seinem Plakat über Tadeusz Pankiewicz ein Zeichen für die „stillen Helden“ des Krakauer Ghettos. Tadeusz Pankiewicz arbeitete als Apotheker im Krakauer Stadtteil Podgόrze. Ihm gelang es bis zur Auflösung des Ghettos eine „Sondergenehmigung“ (Bestechungsgelder an Besatzungsbehörden) für das Betreiben der Apotheke zu erhalten. Er unterstützte Juden und Jüdinnen, besorgt gefälschte Dokumente, tauschte Gegenstände für Lebensmittel ein, um sie den Gehttobewohner*innen zukommen zu lassen, versteckte jüdisch Gläubige in seiner Apotheke. Seit 1983 wird er posthum in Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.
Andere Schüler*innen befassten sich u.a. intensiv mit dem philosophischen Blick auf die NS-Gräueltaten, beispielsweise mit der Frage Hannah Arendts, wie ein normaler Mensch zum Massenmörder werden könne, oder welche inneren Mechanismen nach Theodor W. Adorno Auschwitz ermöglicht hätten.
So wurde die Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg zu einem eindrucksvollen Zeichen dafür, dass die Erinnerung an den Holocaust nicht allein der Vergangenheit gilt, sondern den Blick auf die Zukunft richtet im Sinne des Leitgedankens „Vergangenheit bewahren – Zukunft gestalten.“ Denn nur wer sich erinnert, kann dazu beitragen, dass Ausgrenzung, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit keinen Platz in unserer Gesellschaft finden.
Unser Dank gilt insbesondere dem GEEZ, dem Lions Club Siegburg, der Kreissparkasse Köln sowie dem Förderverein der Städtischen Gesamtschule und nicht zuletzt der stellvertretenden Leiterin des Stadtmuseum Siegburg, Stefanie Kemp, die die Ausstellung in den Museumsräumlichkeiten zum fünften Mal ermöglichte.

